Kappzaum richtig anlegen und verschnallen: 8 Tests für die perfekte Passform
Ein Kappzaum sitzt richtig, wenn …
… das Genickstück Ohrfreiheit lässt, keine Schnalle auf Knochen oder Kiefergelenk liegt, der Nasenriemen auf tragfähigem Nasenbein sitzt und unter dem Nasenriemen mittig zwei Finger locker Platz haben. Entscheidend ist nicht ein Einzelmaß, sondern das Zusammenspiel von Genickstück, Stirnriemen, Backenstücken, Ganaschenriemen, Kehlriemen und Nasenriemen.
Der 8-Punkte-Kurzcheck hilft dir, eine erste Übersicht zur Passform des Kappzaums zu bekommen. Alle Aspekte sind weiter unten auf der Seite ausführlich und mit Fotos erklärt.
1. Genickstück
Das Genickstück soll über dem Genick liegen, ohne gegen die Ohren oder den hinteren Ohransatz zu drücken. Du solltest den Rand des Ohres umfahren können, ohne, dass du Druck durch das Genickstück spürst. Das Genickstück lässt also etwas Abstand zum Ohr. Prüfe den Abstand auch dann, wenn das Pferd die Ohren zurücknimmt. Nach dem Reiten oder Longieren sollte sich das Genickstück leicht vom Pferdekopf abheben lassen.
2. Ganaschenriemen
Der Ganaschenriemen verläuft um die Backen und stabilisiert die Backenstücke. Er soll leicht anliegen, aber nicht ziehen. Wenn das Backenstück durch den Ganaschenriemen einen Knick bekommt oder die Lage des Kappzaums verzogen wird, ist er zu eng eingestellt.
Von der Höhe her liegt der Ganaschenriemen richtig, wenn er etwa auf Höhe des Auges liegt. Höher (ähnlich einem Kehlriemen) oder tiefer (unterhalb der „dicken Backen“) ist er unwirksam für einen Kappzaum.
3. Kehlriemen und Stirnriemen prüfen (nur bei Trensen oder Kappzäumen mit Reitfunktion)
Der Kehlriemen verhindert, dass sich das Kopfstück über die Ohren hebt. Er darf nicht eng an der Kehle liegen und soll Atmung, Schlucken und Bewegung nicht stören. Zu locker darf er aber auch nicht sein, sonst erfüllt er seine Sicherungsfunktion nicht.
Der Stirnriemen kann, wenn er zu kurz ist, das Genickstück gegen die Ohren ziehen. Wenn man ihn ganz oder einseitig abnimmt und die Trense aufzieht, die korrekte Lage des Genickstücks prüft und den Stirnriemen dann ans Pferd anlegt, sieht man meist gut, ob er zu kurz ist.
4. Backenstücke
Die Backenstücke verbinden Genickstück und Nasenteil. Sie müssen so verlaufen, dass sie auch bei Zug oder leichter Verdrehung nicht in Augennähe geraten. Schnallen und Ringe dürfen nicht auf dem Kiefergelenk oder auf knöchernen Strukturen wie dem Jochbein liegen.
Am besten liegen Backenstücke ca. 2 Finger breit hinter der Jochbeinleiste.
5. Nasenriemenhöhe
Der Nasenriemen soll auf dem festen, tragfähigen Nasenbein liegen. Er darf weder zu tief in den weicheren, knorpeligen Bereich des Nasenbeins rutschen noch zu hoch direkt unter dem Jochbein einengen.
Als Orientierung helfen: 1 – 2 Finger Abstand unterhalb des Jochbeins und etwa vier Finger oberhalb der Nüstern; entscheidend bleibt die individuelle Kopfform.
6. Maulfreiheit
Der Kinnriemen ist geschlossen? Dann schiebe mittig auf dem Nasenrücken zwei Finger bis zum 1. Fingerglied unter das Nasenteil. Bei kleineren Pferden 2 Finger nebeneinander, bei größeren Pferden 2 Finger übereinander. Prüfe nicht seitlich am Unterkiefer!
Das Pferd muss Maul und Kiefer bewegen können.
7. Polster
Polster sind nicht automatisch gut oder schlecht. Sie können Druck angenehmer verteilen, brauchen aber Platz und können die Lage des Kappzaums verändern. Prüfe deshalb immer, ob Polster Druckpunkte erzeugen.
8. Metallteile und Befestigungen
Prüfe, ob Ringe, Nieten, Schrauben oder Stifte innen sauber verarbeitet sind und nicht durch das Leder drücken. Alles, was innen hart, kantig oder spürbar uneben ist, kann unangenehme Druckpunkte am Pferd erzeugen.
Wenn der Kappzaum fertig verschnallt am Pferd liegt, lege eine Hand unter ein Ende des Naseneisens, falls vorhanden. Bei Zug auf der Longe darf das Ende des Naseneisens nicht ins Pferd drücken.
Zusammenfassung: Kappzaum richtig Anlegen und anpassen
Kurze Checkliste: Passform vom Kappzaum kontrollieren:
Hat das Pferd ausreichend Ohrfreiheit?
Liegt das Genickstück ohne Druck nach unten?
Stabilisiert der Ganaschenriemen, ohne zu verziehen?
Liegt der Kehlriemen korrekt an?
Zieht der Stirnriemen das Kopfstück nach vorn?
Haben die Backenstücke sicheren Abstand zum Auge?
Liegen Schnallen und Ringe nicht auf Knochen?
Sitzt der Nasenriemen weder zu hoch noch zu tief?
Haben zwei Finger mittig unter dem Nasenriemen Platz?
Gibt es Polster, die Druck erzeugen?
Gibt es harte Stellen innen am Kappzaum?
Drückt das Naseneisen-Ende bei Zug am Longier-Ring ins Pferd?
Kappzaum Richtig anlegen: Diagnose Tabelle
„„„
Beobachtung
Mögliche Ursache
Prüfung
Lösung
Das Genickstück liegt direkt am Ohr.
Stirnriemen zu kurz, Backenstück zu weit vorn oder ungünstiger Schnitt.
Finger zwischen Ohrbasis und Genickstück legen.
Stirnriemen (falls vorhanden) länger. Anders geschnittenes Genickstück. Wenn das Backenstück zu weit vorne ist: anderen Kappzaum wählen.
Das Genickstück lässt sich kaum vom Kopf abheben.
Riemen zu stramm oder in der falschen Reihenfolge geschlossen.
Nach dem Reiten oder Longieren unter das Genickstück greifen. Sollte etwas abzuheben sein.
Riemen lockerer schließen und Reihenfolge prüfen: erst Ganaschenriemen, dann Kinnriemen.
Backenstücke geraten in Richtung Auge.
Kappzaum sitzt instabil, Ganaschenriemen zu locker oder auf falscher Höhe. Zu viel Zug auf Longe. Schnitt des Kappzaums passt nicht.
Leicht am mittleren Ring ziehen und Lage beobachten.
Ganaschenriemen korrekt einstellen. Bei Augennähe des Backenstücks: anderen Kappzaum wählen.
Schnalle liegt am Kiefergelenk.
Backenstück zu lang oder Schnallenlage ungünstig.
Kiefergelenk ertasten. Harte Teile dürfen dort nicht aufliegen.
Evtl. kleinere Größe wählen. Backenstücke beim Sattler kürzen lassen.
Der Ganaschenriemen verzieht das Backenstück.
Ganaschenriemen zu eng verschnallt.
Flache Hand unter den Ganaschenriemen schieben.
Lockerer schließen. Er soll stabilisieren, nicht ziehen.
Der Nasenriemen liegt zu tief.
Nasenteil zu tief verschnallt oder Kappzaum zu groß.
Nasenbein von unten nach oben tasten. Übergangsbereich zwischen dem festen Knochenende des Nasenbeins und Knorpel finden. Hier und darunter darf kein Riemen liegen.
Nasenteil höher einstellen. Der Nasenriemen muss auf tragfähigem Nasenbein liegen.
Der Nasenriemen liegt zu hoch.
Nasenteil zu hoch verschnallt oder zu wenig Platz unter dem Jochbein.
Abstand zum Jochbein prüfen. Ringe dürfen nicht gegen Jochbein oder Auge geraten.
Nasenteil tiefer einstellen, ohne in den weichen Nasenbereich zu rutschen.
Unter dem Nasenriemen passen keine zwei Finger.
Kinnriemen zu eng geschlossen.
Zwei Finger mittig auf dem Nasenrücken unter den Nasenriemen führen. Nebeneinander bei kleineren Pferden, übereinander bei größeren Pferden.
Lockerer schließen. Das Pferd muss Maul und Kiefer bewegen können.
Der Kappzaum verdreht sich beim Longieren.
Nasenteil instabil oder Passform ungeeignet. Zu viel Zug auf der Longe.
Bei seitlicher Einwirkung beobachten, ob das Nasenteil ruhig liegen bleibt.
Anderes Kappzaum-Modell, Ausbildung bei zuviel Zug umstellen.
Nieten, Schrauben oder harte Kanten drücken innen.
Innenseite des Nasenteils nicht sauber verarbeitet.
Mit der Hand über die Innenseite des Nasenriemens fahren.
Nicht verwenden, wenn innen harte oder spitze Stellen spürbar sind.
1. Das Genickstück:
1a) Platz zwischen Genickstück und Ohren
Pferde bewegen ihre Ohren ständig. Das Genickstück darf diesen Bewegungsspielraum nicht einengen. Liegt es zu nah am hinteren Ohransatz, kann das für das Pferd unangenehm sein.
Testgriff1: Ohrfreiheit:
Lege einen Finger zwischen Ohr und Genickstück und taste vorsichtig entlang. Entsteht dabei bereits spürbarer Druck, ist der Abstand zu gering. Prüfe das auch bei gepolsterten Genickstücken: Polster können zusätzlichen Platz beanspruchen.
Blickschulung: Auf den ersten Blick sieht hier nichts problematisch aus. Doch das Tasten ergibt: Das Genickpolster liegt auf dem Ohrknorpel. Und auch der Genickriemen lässt dem Ohr zu wenig Raum.Nimmt das Pferd die Ohren zurück, wird das Problem offensichtlich. Achte auch darauf, dass das untere Ende des Polsters nicht drückt, wie in diesem Beispiel deutlich zu sehen. Wenn Polster länger sind, drücken manche am empfindlichen Kiefergelenk.Hier passt zwischen Ohrknorpel und Genickstück etwa ein halber Finger. Das ist auch bei zurückgelegtem Ohr ausreichend bei diesem Pferd.
Ursachenforschung
Häufige Ursachen für Platzmangel zwischen Genickstück und Ohren:
Polster
Polster sind gut gemeint, doch sie können Probleme verursachen: Denn Polster brauchen Platz. Nicht anatomisch geschnittene Polster beanspruchen den Platz, den das Ohr zur Bewegung braucht. Natürlich ist es angenehmer, mit dem Ohr gegen die Kante des Polsters, als gegen die Kante des Genickstücks zu stoßen. Doch ein gut sitzender Zaum sollte generell nicht so nah an den Ohren liegen.
Ein Polster benötigt das Pferd, wenn es empfindlich oder vorgeschädigt ist. Oder wenn ein schwerer Zaum (zum Beispiel Kappzaum mit massivem Naseneisen) nur einen schmalen Riemen am Genick hat. Denn das Gewicht des Zaums verteilt sich über eine breite Auflage oder ein Polster besser. Heutzutage gibt es genug leichte Alternativen.
Anatomisch geformte Polster können eingeengten Ohren bessere Bewegungsfreiheit geben.
Auch eine andere Art Polster ist eine Lösung, wenn der Zaum zu nah an den Ohren liegt: Es platziert das Genickstück zurück und entlastet den Austrittsbereich des Trigeminusnervs.
Ansonsten gilt abzuwägen, ob Du mit einem Polster den Komfort für das Pferd erhöhst. Oder ob das gutgemeinte Polster den Komfort – in diesem Fall die freie Beweglichkeit der Ohren – nicht einschränkt.
Schnitt der Zäumung
Sind die Backenstücke zu weit vorne angebracht, sitzt das Genickstück zu nah an den Ohren. Man sieht es oft daran, dass die Backenstücke nah an der Jochbeinleiste verlaufen.
Zu kurzer Stirnriemen
Ist der Stirnriemen zu kurz, kann er neben Druckschmerzen und Kopfschmerzen kraniosakrale Probleme nach sich ziehen. Und: zu kurze Stirnriemen ziehen das Genickstück zu nah an die Ohren.
Testgriff 2 Stirnriemen:
Nimm den Stirnriemen ab und zäume das Pferd ohne Stirnriemen auf. Schließe alle Schnallen. Nun nimm den Stirnriemen und leg ihn an die Stirn des Pferdes. Reichen seine Enden bis zur Zäumung, oder muss der Stirnriemen länger sein?
1b) Verursacht das Genickstück Druck?
Das Genickstück kann nicht nur gegen die Ohren drücken. Es darf auch nicht zu viel Druck nach unten entstehen. Am Genick laufen auf engstem Raum Nerven, Gefäße, Meridiane, hier liegen Schleimbeutel und viele Muskeln. Sie reagieren empfindlich auf Druck. Für das Pferd ist die „Wohlfühlzone Genick“ nicht nur körperlich wichtig. Als Reiter möchten wir, dass das Pferd sich im Genick frei bewegt.
Testgriff 3: Druck am Genickstück:
Am besten nach dem Reiten oder Longieren, wenn alle Riemen noch geschlossen sind. Du greifst unter das Genickstück. Kannst du es ohne Mühe ein Stück vom Pferdekopf abheben? Dann lastet auf dem Genick kein unnötiger Druck.
Ursachenforschung:
Diese Ursachen bringen Druck auf das Genick:
Polster eingeschoben:
Wenn eine vorher gutsitzende Zäumung ein zusätzliches Genick-Polster erhält, musst du das Genickstück weiter verstellen. Sonst entsteht mehr Druck am Genick als zuvor.
Kappzaum richtig anlegen
Ist der Zaum, wie beispielsweise bei Kappzäumen üblich, mit einem Ganaschenriemen ausgestattet? Dann musst du erst den Ganaschenriemen, dann den Kinnriemen schließen. Schließt du erst den Kinnriemen und danach den Ganaschenriemen, kann Druck am Genickstück entstehen.
Zu stramme Verschnallung
Du ziehst den Riemen zu fest. Vielleicht, weil du es so gelernt hast, oder ein erhöhtes Sicherheitsempfinden hast. Zu stramme Riemen sind pferdefachlich problematisch: Der Kappzaum erzeugt dann Druck statt feine, klare Einwirkung zu ermöglichen. Wie du den Nasenriemen pferdegerecht verschnallst, haben wir hier beschrieben. Diese Artikel gelten gleichermaßen für Kappzäume, gebisslose Zäume und Zaumzeuge mit Gebiss.
Genickstücke, die das Nackenband freilassen:
Wenn Polster links und rechts am Genickstück angebracht sind, um in der Mitte das Nackenband zu entlasten, kann das Probleme verursachen. Druck auf dem Nackenband ist oft das kleinere Problem. Ganz anders Druck auf den Schleimbeuteln oder anderen empfindlichen Strukturen, die neben dem Genick liegen. Das gilt insbesondere dann, wenn Pferde sich in der Vergangenheit ins Halfter gehängt oder sehr eng gearbeitet wurden. Dadurch entstehen nicht selten Schäden, beispielsweise an den Schleimbeuteln. Bitte beobachte bei einem solchen Genickstück genau, ob nicht eben diese Bereiche belastet werden. Hier hilft nur: ausprobieren, was dem Pferd angenehmer ist.
2. Ganaschenriemen
Er hält das Backenstück des Kappzaums an Ort und Stelle. So vermeidet er, dass das Backenstück bei starkem Zug an der Longe ins Auge rutscht. Heutzutage achten Hersteller mehr darauf, dass die Backenstücke hinter dem Jochbein liegen. Die Backenstücke solcher Kappzäume laufen relativ weit vom Auge entfernt und der Ganaschenriemen kann leicht anliegend verschnallt werden.
Von der Höhe her liegt der Riemen, seiner Aufgabe entsprechend, zwischen innerem und äußerem Augenwinkel.
Testgriff 4: Ganaschenriemen
Eine flache Hand unter den Backenriemen schieben. Geht das, liegt er leicht an. So ist es richtig. Ist er zu eng verschnallt, erkennst du das daran, dass das Backenstück einen Knick im Verlauf bekommt. Der Riemen darf nie so eng verschnallt sein, dass er die Lage des Backenstücks verzieht
3. Kehlriemen
Die meisten Kappzäume haben keinen Kehlriemen, sondern stattdessen einen Ganaschenriemen. Der Vollständigkeit halber, oder wenn du dein Zaumzeug kontrollieren möchtest: Der Kehlriemen wird nach der „Faustregel“ verschnallt: eine Faust soll zwischen Riemen und Kehle passen. Dieses Maß ist bei vielen Pferden zu üppig, sodass der Riemen seinen Nutzen nicht erfüllen kann. Denn auch wenn sich der Mythos hält, dass der Kehlriemen seit Kriegszeiten keinen Nutzen mehr habe: er kann – je nach Bauart des Kopfstücks – verhindern, dass sich das Genickstück über die Ohren hebt.
4. Die Backenstücke
Kappzaum Backenstück – worauf du achten solltest
Das Backenstück eines Kappzaums verbindet das Genickstück mit dem Naseneisen. Es verläuft seitlich am Pferdekopf entlang – und genau hier ist besondere Sorgfalt beim Kappzaum anpassen gefragt. Die Schnalle, die Genickstück und Backenstück verbindet, sollte sich etwa auf Augenhöhe des Pferdes befinden – niemals auf Höhe des Kiefergelenks!
Denn am Kiefergelenk liegt die Haut fast direkt auf dem Knochen. Hier hat das Pferd keinerlei Polster – harte Schnallen oder Ringe haben an dieser Stelle nichts verloren. Wenn du mit dem Finger vom Kiefergelenk aus leicht nach unten gleitest, merkst du, wie das Gewebe weicher wird. Auf dieser weicheren Muskulatur darf die Schnalle liegen.
Testgriff 5: Schnalle des Backenstücks
Wähle die Länge der Backenstücke so, dass die Schnalle unterhalb des Kiefergelenks auf weichem Gewebe liegt – nicht auf dem Knochen. Alles, was hart oder kantig ist – also Schnallen, Knoten, Metallringe – sollte niemals direkt auf knöchernen Strukturen des Pferdekopfs liegen. Wenn die Schnallen zu nah am oder sogar direkt auf dem Kiefergelenk liegen, sind die Backenstücke zu lang.
Die Schnalle drückt am Kiefergelenk. Das Genickstück liegt zu eng an den Ohren. Der Ring liegt gefährlich auf Augenhöhe und die Riemen zu nah am Auge.
Das Kappzaum Backenstück muss in sicherer Entfernung vom Auge liegen
Testgriff 6: Backenstück – Auge:
Die Backenstücke müssen so verlaufen, dass sie auch bei Zug oder leichter Verdrehung nicht in Augennähe geraten.
Test bei gebisslosen Zäumen oder Sidepulls: Ziehe bewusst an einem Zügel. Das Backenstück auf der Gegenseite darf sich nicht in Richtung Auge bewegen.
Test beim Kappzaum: Ziehe seitlich am mittleren Ring. Auch hier darf das gegenüberliegende Backenstück nicht gefährlich nah ans Auge geraten.
Ein korrekt verschnallter Ganaschenriemen kann die Seitenstabilität verbessern.
Die Lage am Jochbein
Direkt am und unter dem Jochbein verlaufen empfindliche Strukturen dicht unter der Haut. Kein Riemen sollte das Jochbein kreuzen. Faustregel: Mindestens ein Finger breit Abstand zur Jochbeinleiste!
Achte besonders auf gebisslose Zäume wie Sidepulls, die einen Ring am unteren Ende haben: Wird der Ring zu hoch verschnallt, kann er unangenehm gegen das Jochbein drücken.
Zu eng an den Ohren. Der leichte Bogen nach vorne auf Höhe des Stirnriemens zeigt, dass dieser zu kurz ist. Die Riemen liegen zu nah am Auge, der Ring liegt zu hoch und scheint am Jochbein zu drücken. Das Nasenteil ist zu tief verschnallt.
5. Die richtige Lage des Nasenriemens
Ein korrekt sitzender Nasenriemen ist entscheidend für die Atmung, das Wohlbefinden und die gymnastische Entwicklung deines Pferdes. Wie muss man den Kappzaum richtig anlegen?
Höhe des Nasenriemens: Weder zu tief noch zu hoch
Die richtige Lage des Nasenriemens ist etwa zwei Finger breit unterhalb des Jochbeins. Ist der Platz am Pferdekopf knapp, kann auch ein Finger Abstand ausreichen – besser etwas höher als zu tief verschnallt. Viele Pferde mögen die etwas höhere Verschnallung lieber. Beim Glücksrad und ähnlichen Konstruktionen gilt: Das Speichenrad (oder sein Äquivalent) sollte ebenfalls mit einem Finger Abstand zum Jochbein liegen.
Testgriff 6: JochbeinZwei Finger unter dem Jochbein, vier Finger über den Nüstern – das ist der grobe Richtwert beim Kappzaum anpassen. Je nach Anatomie und Platzangebot kann er individuell angepasst werden.
Warum zu tiefe Nasenriemen problematisch sind
Liegt der Nasenriemen zu tief, gerät er auf den empfindlichen, knorpeligen Teil des Nasenbeins – ein Bereich, der leicht verletzt werden kann. Zudem kann das die Atmung behindern: Pferde benötigen für eine freie Atmung nicht nur die sichtbare Öffnung der Nüstern. Sie benötigen auch die sogenannte „Trompete“ über den Nüstern zum Weiten der Atemwege.
Taste mit Daumen und Zeigefinger oberhalb der Nüstern vorsichtig das Nasenbein nach oben. Du spürst die Nasenbeine, die paarig angelegt sind, als einen nach unten spitz zulaufenden Knochen. Dieser wird etwas breiter und geht dann in das knöcherne Nasenbein über. Dort, wo du mit den Fingern nicht mehr weiter nach oben tasten kannst, ist dieser Übergang. Dort beginnt der sichere Bereich für den Nasenriemen. Tiefer darf er keinesfalls liegen.
Und was ist mit zu hoch?
Auch eine zu hohe Verschnallung ist keine Lösung: Direkt unter dem Jochbein verlaufen wichtige Nerven und Blutbahnen, die nicht eingeengt werden dürfen. Deshalb gilt für die richtige Lage des Nasenriemens: Zwei Finger Abstand zum Jochbein und vier Finger oberhalb der Nüstern.
Diese Werte sind kein starres Gesetz. Sie helfen bei der Orientierung. Entscheidend ist die individuelle Anatomie des Pferdes. Viele Pferde mögen den Kappzaum etwas höher, also mit 1 statt 2 Fingern unter dem Jochbein deutlich lieber. Probier es doch mal aus!
6. Verschluss & Maulfreiheit: Zwei Finger als Mindestmaß für pferdefreundliche Maultfreiheit
Zwischen Nasenriemen und Nasenrücken sollten zwei Finger locker Platz haben. Bei kleineren Pferden nebeneinander, bei größeren übereinander. So stellst du sicher, dass das Kiefergelenk beweglich bleibt und das Pferd sich entspannt im Genick stellen kann – eine Grundvoraussetzung für gesunderhaltendes Training. Warum nur dieses Maß richtig ist? Dem sind wir wissenschaftlich auf den Grund gegangen: Hier kannst du dein Wissen vertiefen.
Testgriff 7: Maulfreiheit:
Führe zwei Finger mittig auf der Nase unter den Nasenriemen. Und zwar bis zum ersten Fingergelenk. Achtung: Nicht nur die Fingerkuppen! Seitlich oder am Unterkiefer zu messen, liefert keine verlässlichen Ergebnisse.
Auch beim Kappzaum anpassen gilt: Zwei Finger müssen Platz haben – egal ob beim Reiten oder Longieren.
Folgen zu fester Verschnallung
Den Kappzaum richtig anlegen entscheidet über das Pferdewohl. Denn ein zu eng verschnallter Nasenriemen kann weitreichende Folgen haben:
Nervenreizungen bis hin zu Trigeminus-Neuralgien
Headshaking, Kopfschlagen oder Verwerfen
Blockaden in Genick, Hals und Rücken durch festgehaltene Kiefergelenke
Einschränkungen der Atmung
Verletzungen der Maulschleimhäute
Schmerzen im Maul, insbesondere bei jungen Pferden, die sich im Zahnwechsel befinden.
Zähne knirschen, Zügel aus der Hand ziehen
Pferde rennen oder laufen verhalten mit wenig Untertritt.
gestörte Losgelassenheit und fehlende Hankenbeugung
Kurzum: Ein festgezogener Riemen verhindert jede gesunderhaltende Bewegung – auch bei der richtigen Lage des Nasenriemens. Pferde müssen das Maul öffnen können, um das Kiefergelenk und damit das Genick zu entspannen. Ist das Genick nicht entspannt, zieht sich das durch den Rücken und den gesamten Körper.
7. Polster
Polster sind nicht grundsätzlich gut oder schlecht. Sie können Druck verteilen, aber sie brauchen Platz, verändern die Lage und können Druck an anderer Stelle erzeugen.
Polsterung des Nasenriemens
Ein leicht gepolsterter Nasenriemen kann den Druck angenehmer verteilen. Sehr dicke Polster haben aber Nachteile:
sie machen das Nasenteil voluminöser
sie können die Lage instabil machen
sie verleiten dazu, den Riemen zu eng zu schließen
sie können je nach Form die Sicht nach unten beeinflussen (Laut LPO sind sogenannte „Bodenblenden“ bis 3 cm erlaubt. Einige Nasenriemen samt Polster überschreiten diese Grenze – besonders bei dicken Schaffellaufsätzen.)
Polster am Kinnriemen: Wann sie sinnvoll sind
Ein korrekt verschnallter Kinnriemen liegt locker am Unterkiefer. Ein zusätzliches Polster ist nicht zwingend notwendig, aber manchmal sinnvoll – solange es nicht dazu verleitet, den Riemen zu eng zu schließen. Wichtig ist: Der Kinnriemen sollte breit genug sein, damit beim Kauen keine unangenehmen Druckstellen entstehen.
8. Zügelringe: Verborgene Druckpunkte erkennen
Sind Zügelringe seitlich am Nasenriemen angebracht, lohnt sich ein Blick auf die Befestigung: Nieten, Schrauben oder Stifte können durch das Leder drücken – und so unangenehme Druckpunkte auf dem Nasenrücken erzeugen.
Tipp zur Überprüfung: Fahre mit der Hand über die Innenseite des Nasenriemens. Alles muss glatt und sauber verarbeitet sein.
Kappzaum richtig anlegen: häufige Fragen
Wie sitzt ein Kappzaum richtig?
Ein Kappzaum sitzt richtig, wenn das Genickstück genügend Abstand zu den Ohren lässt, keine Schnalle auf Knochen oder Kiefergelenk liegt, die Backenstücke nicht in Augennähe geraten, der Ganaschenriemen stabilisiert und der Nasenriemen auf dem tragfähigen Nasenbein liegt. Unter dem Nasenriemen sollten mittig auf dem Nasenrücken zwei Finger locker Platz haben.
Wie eng darf ein Kappzaum sitzen?
Ein Kappzaum muss sicher liegen, darf aber Maul, Kiefergelenk, Atmung und Ohrbewegung nicht einschränken. Besonders der Nasenriemen braucht ausreichend Platz. Als pferdefreundliche Orientierung gelten zwei Finger locker zwischen Nasenriemen und Nasenrücken.
Wo muss der Nasenriemen beim Kappzaum liegen?
Der Nasenriemen soll auf dem festen, tragfähigen Nasenbein liegen. Er darf weder zu tief auf den empfindlicheren, knorpeligen Bereich der Nase rutschen noch direkt unter dem Jochbein einengen. Als grobe Orientierung gilt: etwa zwei Finger unterhalb des Jochbeins und etwa vier Finger oberhalb der Nüstern. Entscheidend ist immer die individuelle Kopfform des Pferdes.
Die Höhe des Naseneisens richtig einstellen:
– 1- 2 Finger unter dem Jochbein. Lieber zu hoch, als zu tief. Liegt das Naseneisen direkt ohne Abstand an den Jochbeinen, können Nervenaustrittpunkte gereizt werden.
– mindestens 4 Finger oberhalb der Nüstern sollte das Naseneisen liegen. Du kannst den weichen, sehr empfindlichen Nasenknorpel des Pferdes gut tasten. Wenn du ihn nach oben nachfühlst, spürst du, wo der Fortsatz endet. Ab hier und niemals tiefer dürfen Naseneisen und auch alle anderen Riemen von Trensen etc. sitzen.
Warum sollten zwei Finger unter den Nasenriemen passen?
Zwei Finger Platz helfen sicherzustellen, dass das Pferd das Maul bewegen und den Kiefer entspannen kann. Sehr enge Nasenriemen können normale Maulbewegungen einschränken. Wichtig ist, mittig auf dem Nasenrücken zu prüfen, nicht seitlich am Unterkiefer.
Zwischen Naseneisen und Pferd müssen, auf dem Nasenrücken gemessen 2 Finger nebeneinander (kleine Pferde) oder 2 Finger übereinander (bei großen Pferden) passen.
Wie erkenne ich, ob das Genickstück drückt?
Ein Genickstück kann drücken, wenn es sich nach dem Reiten oder Longieren kaum vom Pferdekopf abheben lässt, wenn das Pferd empfindlich auf Berührung am Genick reagiert oder wenn das Kopfstück zu nah an den Ohren liegt. Prüfe mit den Fingern unter dem Genickstück, ob es sich ohne Kraft leicht anheben lässt.
Worauf muss ich achten, damit ich sicherstellen kann, dass der Kappzaum nicht drückt?
Dein Pferd sollte sich immer wohlfühlen. Daher gibt es 2 Aspekte, die es beim Kappzaum ganz besonders zu beachten gibt:
1. Nichts darf drücken, oder so rutschen, dass es dem Pferd Schmerzen verursacht.
Beim Zug am Kappzaum sollte das Backenstück nicht an das oder sogar in das Auge rutschen. Du kannst das ganz einfach im Stand überprüfen:
Ziehe die Longe nach links und beobachte das Backenstück auf der rechten Seite.
Dann mach dasselbe auf der anderen Seite.
Das Naseneisen sollte nicht verkanten oder drücken. Auch das kannst du im Stand kontrollieren:
Ziehe die Longe nach links und schau dir das Naseneisen an.
Verkantet es rechts auf der Nase und drückt?
Dann mach dasselbe auf der anderen Seite.
Das innere Ende des Naseneisens darf beim Zug nicht in das Pferd drücken.
Ziehe die Longe in deine Richtung und taste auf der gleichen Seite, ob sich das Ende des Naseneisens in das Pferd drückt.
Dann mach dasselbe auf der anderen Seite.
Warum ist es wichtig, dass das Backenstück sicher entfernt vom Auge liegt?
Ein wichtiges Kriterium für einen gut sitzenden Kappzaum ist ein Backenstück, das sicher vom Auge entfernt liegt. Aber warum ist das so wichtig?
1. Gefahr für die Augen
Verrutscht der Kappzaum, kann das Backenstück ans – oder im schlimmsten Fall ins – Auge rutschen.
2. Gereizte Nerven
Das Backenstück des Kappzaums (und anderer Zäume ebenfalls!) muss hinter der Jochbeinleiste verlaufen. Bei Zäumen, deren Backenstück nah am Auge sitzt, kreuzt das Backenstück oft das Jochbein. Hier treten wichtige Nerven aus.
Was tun, wenn der Kappzaum ins Auge rutscht?
Wenn ein Backenstück Richtung Auge rutscht, muss der Kappzaum sofort neu geprüft werden. Ursache können ein instabiler Sitz, ein falsch eingestellter Ganaschenriemen, ein ungünstiger Schnitt oder eine falsche Größe sein. Backenstücke und Ringe dürfen auch bei Zug oder leichter Verdrehung nicht in Augennähe geraten.
Braucht ein Kappzaum Polster?
Ein Kappzaum braucht nicht automatisch Polster. Polster können Druck angenehmer verteilen, brauchen aber Platz und können die Lage des Kappzaums verändern. Entscheidend ist nicht, ob ein Kappzaum gepolstert ist, sondern ob er ohne Druckstellen ruhig, stabil und anatomisch sinnvoll liegt.
Wie fest soll der Backenriemen/Ganaschenriemen sitzen?
Der Ganaschenriemen dient nicht dazu, das Backenstück vom Auge wegzuziehen. Wenn das nötig ist, passt der Zaum nicht!
Ein Ganaschenriemen sollte nie so fest angezogen sein, dass sich das Backenstück verzieht, auch weil dadurch Druck auf dem Genickstück entstehen kann.
Kann ein schlecht sitzender Kappzaum Schmerzen verursachen?
Ja. Ein schlecht sitzender Kappzaum kann Druck an Genick, Kiefergelenk, Jochbein, Nasenbein oder Maulbereich verursachen. Auch zu enge Verschnallung kann das Pferd stören. Zeigt ein Pferd Abwehrverhalten, Kopfschlagen, Sperren, Verwerfen oder ungewöhnliche Empfindlichkeit, sollte zuerst die Passform geprüft werden.
Fazit Kappzaum richtig verschnallen
Ein gut angepasster Kappzaum liegt ruhig, ohne zu drücken oder zu verrutschen. Entscheidend sind:
genügend Platz an den Ohren
ein druckarmes Genickstück
korrekt liegende Backenstücke mit Abstand zu Auge, Jochbein und Kiefergelenk
ein stabilisierender, aber nicht straffer Ganaschenriemen
ein sinnvoll platzierter und locker verschnallter Nasenriemen
Nicht ein einzelnes Detail entscheidet über die Passform, sondern das Zusammenspiel aller Teile.
Anatomischer Hintergrund: Am Pferdekopf liegen Knochen, Gelenke, Nerven, Gefäße und empfindliche Gewebe dicht unter der Haut. Deshalb entscheidet nicht nur die Größe des Kappzaums, sondern vor allem die Lage von Riemen und Schnallen
Über diesen Leitfaden:
Dieser Artikel basiert auf der Erfahrung aus der osteopathischen und physiotherapeutischen Praxis mit eigener Pferde-Reha seit 2004 und auf der Entwicklung pferdefreundlicher Kappzäume seit 2015. Seither beraten wir täglich viele Kunden zum Thema Kappzaum richtig anlegen.
Die anatomischen Aussagen beruhen unter anderem auf diesen Quellen:
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