Antworten auf häufig gestellte Fragen:
Fragen und Antworten zum Thema Kappzaum allgemein
1. Nichts darf drücken, oder so rutschen, dass es dem Pferd Schmerzen verursacht.
- Beim Zug am Kappzaum sollte das Backenstück nicht an das oder sogar in das Auge rutschen. Du kannst das ganz einfach im Stand überprüfen:
- Ziehe die Longe nach links und beobachte das Backenstück auf der rechten Seite.
- Dann mach dasselbe auf der anderen Seite.
- Das Naseneisen sollte nicht verkanten oder drücken. Auch das kannst du im Stand kontrollieren:
- Ziehe die Longe nach links und schau dir das Naseneisen an.
- Verkantet es rechts auf der Nase und drückt?
- Dann mach dasselbe auf der anderen Seite.
- Das innere Ende des Naseneisens darf beim Zug nicht in das Pferd drücken.
- Ziehe die Longe in deine Richtung und taste auf der gleichen Seite, ob sich das Ende des Naseneisens in das Pferd drückt.
- Dann mach dasselbe auf der anderen Seite.
2. Die richtige Passform – so sitzt der Kappzaum richtig
- Die Höhe des Naseneisens richtig einstellen:
- 1- 2 Finger unter dem Jochbein sollte das Naseneisen liegen. Lieber zu hoch, als zu tief. Liegt das Naseneisen direkt an den Jochbeinen und nicht 1 – 2 Finger darunter, können Nervenaustrittpunkte gereizt werden.
- mindestens 4 Finger oberhalb der Nüstern sollte das Naseneisen liegen. Du kannst den weichen, sehr empfindlichen Nasenknorpel des Pferdes gut tasten. Wenn du ihn nach oben nachfühlst, spürst du, wo der Fortsatz endet. Ab hier und niemals tiefer dürfen Naseneisen und auch alle anderen Riemen von Trensen etc. sitzen.
- Der Kinnriemen darf nicht zu fest zugezogen sein. Zwischen Naseneisen und Pferd müssen, auf dem Nasenrücken gemessen:
- 2 Finger nebeneinander (kleine Pferde)
- oder 2 Finger übereinander (bei großen Pferden) passen.
Ein wichtiges Kriterium für einen gut sitzenden Kappzaum ist ein Backenstück, das sicher vom Auge entfernt liegt. Aber warum ist das so wichtig?
1. Gefahr für die Augen
Verrutscht der Kappzaum, kann das Backenstück ans – oder im schlimmsten Fall ins – Auge rutschen.
2. Gereizte Nerven
Das Backenstück des Kappzaums (und anderer Zäume ebenfalls!) muss hinter der Jochbeinleiste verlaufen. Bei Zäumen, deren Backenstück nah am Auge sitzt, kreuzt das Backenstück oft das Jochbein. Hier treten wichtige Nerven aus.
Wie fest soll der Backenriemen/Ganaschenriemen sitzen?
Der Ganaschenriemen dient nicht dazu, das Backenstück vom Auge wegzuziehen. Wenn das nötig ist, passt der Zaum nicht!
Ein Ganaschenriemen sollte nie so fest angezogen sein, dass sich das Backenstück verzieht, auch weil dadurch Druck auf dem Genickstück entstehen kann.
Ein festes Maul führt zu einem festen Genick. Mit zugebundenem Maul können weder Losgelassenheit, noch reelle Biegung und Stellung erreicht werden.
Deswegen muss ein Kappzaum mindestens so locker verschnallt werden, dass die 2-Finger-Regel greifen kann: Das bedeutet, dass bei kleineren Pferdeköpfen 2 Finger nebeneinander, bei größeren Köpfen 2 Finger übereinander zwischen Nasenrücken und Naseneisen Platz finden müssen.
Solch korrekt verschnallte Kappzäume können beim Longieren verrutschen. Dann ist keine exakte Einwirkung mehr möglich. Schlimmer noch: Bei einem Zaum mit unpassendem Naseneisen können unter dem Naseneisen schmerzhafte Druckspitzen entstehen oder das Backenstück ins Auge rutschen.
Ein Dilemma, das wir mit der Entwicklung von Kappzaum Goethe lösen konnten:
Dadurch, dass Goethes Naseneisen jeder Pferdenase individuell angepasst werden kann:
- hat der Kappzaum eine hervorragende Passform
- gleichzeitig gibt es beim Longieren keine schmerzhaften Druckspitzen des Naseneisens oder ein Verziehen des Kappzaums ans Auge.
- du hast Führung und Kontrolle durch das Naseneisen.
Da man keinen Kappzaum am Pferdekopf festschrauben kann, kann generell jeder Kappzaum ab einem bestimmten Zug seine Lage verändern. Goethes anatomische, sich individuell der Pferdenase anformbare Passform erreicht eine sehr gute Stabilität, bei der das Pferd auch locker verschnallt am Naseneisen die Hilfen klar und fein empfangen kann und dabei kauen kann.
Aber irgendwann, pferdegerecht verschnallt, verrutscht jeder Kappzaum, wenn entsprechend viel Zug auf die Longe kommt. Ein Hersteller, der das nicht einräumt, ist unseriös, oder hat jegliche physikalische Gesetze besiegt.
Unser Job als Ausbilder des Pferdes ist es, ständigen starken Zug beim Longieren zu vermeiden, indem das Pferd Kraft und Balance entwickeln darf. Und wenn doch viel Zug auf die Longe kommt, an Wind-Tagen, bei Gespenster-Sehern, bei kleinen und großen Angebern oder wenn das Buckeln kurz mehr Spaß macht, als die Arbeit: dann hast Du mit Goethe einen Kappzaum, der Dein Pferd vor unangenehmen Folgen oder gar Schmerzen bewahrt.
Schön, dass Du Deinem Pferd zuhörst. Unserer Erfahrung nach gibt es verschiedene Gründe, warum Pferde Kappzäume mit Naseneisen zum Longieren nicht mögen:
- Das Naseneisen passt nicht richtig. Das führt zu Druckspitzen. Vielleicht ist das durch ein Polster abgemildert, dennoch besteht ein unangenehmer Druck. Das passiert besonders häufig bei Naseneisen, die mittig auf dem Nasenrücken ein Gelenk haben.
- Das Naseneisen liegt nicht gut an. Damit es dennoch nicht verrutscht, muss der Zaum fest verschnallt werden. Das ist jedem Pferd unangenehm und schadet jedem Pferd. Pferden mit Zahnproblemen, im Zahnwechsel, mit Genickproblemen oder wiederkehrenden Blockaden im Genick/Hals ganz besonders.
- Bei Kappzäumen mit festem Naseneisen kann der innere Schenkel des Naseneisens ins Pferd drücken, wenn Spannung auf der Longe ist. Du kannst das ganz einfach testen: suche das Ende des Naseneisens und lege Deine Hand darunter. Ziehe an der Longe. Drückt nun das Naseneisen gegen Deine Hand?
Pferde, die einen Zaum mit oben genannten oder ähnlichen Passformmängeln tragen, reagieren meist erleichtert, wenn sie einen Kappazum ohne festes Naseneisen ausprobieren dürfen. Dann geht das Pferd aber nicht generell „lieber ohne Naseneisen“, sondern zeigt an, dass der vorige Kappzaum nicht passte.
Unsere Lösung fürs Longieren: ein sehr leichtes, formstabiles Naseneisen, dass nicht drückt und überall gleichmäßig anliegt. Oder der sanfte Kappzaum Mereau – ganz ohne Naseneisen.
Nein, das stimmt nicht.
Je schwerer der Zaum, desto mehr muss das Pferd beim Longieren gegenhalten. Es drückt nach oben, anstatt sich zwanglos im Genick zu öffnen und sich in schöner Selbsthaltung zu präsentieren. Ein schweres Naseneisen ist daher für Pferde zum Longieren nicht anzuraten. Je leichter, desto besser. Die schweren deutschen Naseneisen erfüllen einige Vorteile in Sachen Passform, die Nachteile des hohen Gewichtes sollten aber bedacht werden.
Hast Du schon einmal von außen zugesehen, wenn ein Pferd longiert wurde und Zug auf die Longe kommt? Sobald die Zäumung etwas nach innen rutscht, nähert sich das äußere Backenstück dem Auge und kann sogar in das Auge rutschen.
Die Pferde versuchen dem auszuweichen und werden fest. Manche Pferde stellen sich „dem Zaum entgegen“ nach außen. Infolgedessen brechen sie sogar aus dem Zirkel aus. Meist dort, wo die Balance am schwierigsten ist: kurz vor oder beim imaginären „X“.
Das wird dann oft auf die „schlechtere Hand“ und Widersetzlichkeit geschoben, kann aber an dem vermehrten Zug an der Longe und der damit entstehenden Problematik „Kappzaum trifft Auge“ liegen. Glaubst Du nicht? Wir auch nicht, bis uns viele Kunden berichteten, dass dieses Problem mit Goethe und seinem weit vom Auge entfernten Backenstücken nicht mehr auftritt.
Aber: Goethe ist hier nicht die Lösung des Problems. Es macht die Situation für das Pferd aber angenehmer.
Generell sollte nicht viel Zug auf die Longe kommen. Wenn das Pferd auf einer Hand so wenig Balance hat, dass es öfter ausbricht:
- die Situation dem Pferd zuliebe vorerst meiden.
- einen Schritt zurückgehen: zu Gymnastik und Koordination für mehr Kraft aus der Hinterhand und bessere Balance.
- überprüfen, ob der Kappzaum passt.
Fragen und Antworten zu Kappzaum Goethe
Das Naseneisen besteht aus einem formbaren, sehr leichtem Metallband, das in Leder eingebettet ist.
Hier soll das Naseneisen liegen:
Das Naseneisen sollte 1-2 Finger unterhalb des Jochbeins und mindestens 4 Finger oberhalb der Nüstern liegen. Verschnalle tendenziell etwas höher als zu tief.
So wird das Naseneisen angepasst:
- Biege zuerst die Breite der Pferdenase in das Naseneisen. Dafür nimmst du das Naseneisen links und rechts. Deine Finger zeigen Richtung Kinnriemen. Deine Handballen liegen auf dem Naseneisen nähe des mittleren Rings. Nun drückst du mit beiden Handballen das Naseneisen zusammen.
- wenn Du das Naseneisen jetzt ans Pferd legst, werden die seitlichen Schenkel des Naseneisens vermutlich noch etwas abstehen. Forme auch hier die Konturen.
- nun kannst Du den Ganaschenriemen schließen. Erst danach den Kinnriemen. Beide Riemen können je nach Ausbildungsstand und Kopfform relativ locker verschnallt werden.
- Es sollten noch 2 Finger zwischen Nasenrücken des Pferdes und Naseneisen passen.
- Hast Du mehrere Pferde, lässt sich das Naseneisen wiederholt umformen, wobei zwischen den Pferden dann meist nur kleinere Anpassungen nötig sind.
- Viel Freude beim Longieren!
Übrigens: Pferdenasen sind flach, nicht spitz. Damit das Naseneisen nicht wie ein Nussknacker links und rechts auf das Nasenbein drückt, ist das Naseneisen von Goethe in der Mitte verstärkt. So kann es zu keinem „Nussknackereffekt“ kommen.
Gar nicht! Die seitlichen Ringe sind nicht für das Anbringen von Ausbindern oder anderen Hilfszügeln beim Longieren vorgesehen.
Versuche bitte nie, das Pferd in eine von außen gefällige Form zu pressen. Das wird am Pferd auf Dauer Schäden physischer und psychischer Art verursachen.
Eine gründliche, pferdegerechte Ausbildung braucht Zeit, Geduld, pädagogisches Geschick und Verständnis für das Tier. Ausbilder und Pferdebesitzer, die dies respektieren, benötigen kaum Hilfsmittel.
Dem Pferd mit Freude verständlich machen, wie es beim Longieren so laufen kann, dass es lange gesund bleibt und die richtige Muskulatur aufbaut: klingt schwierig? Ist es am Anfang vielleicht auch. Aber es gibt mittlerweile immer mehr wunderbare Trainer und Longenkurse, die weiterhelfen, wenn man nicht weiterkommt. Und wenn Du und Dein Pferd den Dreh raushaben, bekommt ihr mehr als nur eine schöne Kopf-Hals-Haltung beim Longieren geschenkt.
